Das Leben in Deutschland ist teurer geworden: Seien es Lebensmittel, Mieten oder steigende Energiekosten – allein die Rekordpreise für Diesel und Benzin sorgen derzeit für Schlagzeilen. Die höheren Lebenshaltungskosten treffen dazu gerade auf einen schwächeren Arbeitsmarkt. Im vergangenen August waren über drei Millionen Menschen hierzulande arbeitslos.
Immer öfter führen diese Faktoren dazu, dass sich Menschen ver- oder sogar überschulden. Laut des aktuellen Überschuldungsreports des Instituts für Finanzdienstleistungen (Iff) waren 2025 in Deutschland 5,67 Millionen Menschen überschuldet, im Jahr zuvor waren es noch etwa 111.000 weniger. Die mittlere Schuldenhöhe ist laut des Reports im Zehn-Jahres-Durchschnitt zwar leicht gesunken, liegt aber noch immer bei mehr als 19.000 Euro. Als überschuldet gilt, wer seine Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht erfüllen kann – selbst bei gesenktem Lebensstandard.
Der Report stützt sich vor allem auf Angaben von Schuldnerberatungsstellen in ganz Deutschland. Für die Ergebnisse wurden Daten von über 224.000 Fällen aus 122 Beratungsstellen zusammengetragen, die zwischen 2014 und 2025 erfasst wurden. Allein die Zahl der Beratungsgespräche stieg stark: Von gut 12.800 Fällen im Jahr 2016 verdreifachte sich die Zahl fast auf rund 36.500 im vergangenen Jahr.
Alleinerziehende tragen das größte Überschuldungsrisiko
Ein besonders hohes Überschuldungsrisiko haben demnach Alleinerziehende. Sie stellen 14,4 Prozent derjenigen, die Beratungsangebote wahrnehmen. Vier von fünf von ihnen sind Mütter. Damit sind alleinerziehende Mütter mehr als doppelt so häufig vertreten, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche. Und die Belastung steigt mit der Anzahl der Kinder: Alleinerziehende mit drei oder mehr Kindern sind fast sechsmal häufiger in der Beratung vertreten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspräche.
Auffällig ist außerdem: Trotz steigender Altersarmut nimmt die Gruppe der über 65-Jährigen seltener Beratungen in Anspruch. Die Studienautoren vermuten dahinter einen schlechteren Gesundheitszustand und eingeschränkte Mobilität. Beides erschwere den Weg zu einer Beratungsstelle. Zudem sei diese Altersgruppe mit der wachsenden Bürokratie häufig überfordert.
Am anderen Ende der Altersbereiche zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sei in der Schuldnerberatung vergleichsweise unterrepräsentiert. Obwohl junge Menschen durch „Buy-now-pay-later-Kredite“ zunehmend in den Fokus geraten, schlägt sich das bisher nicht in der Inanspruchnahme von Beratungen nieder. Ein Grund könnte die geringere Schuldenlast sein: Bei den 20- bis 25-Jährigen betrugen die durchschnittlichen Schulden laut des Reports 2024 rund 11.510 Euro.
Krankheit und Arbeitslosigkeit führen die Auslöser an
Die finanziellen Notlagen seien selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen und oft würden sich mehrere Faktoren gegenseitig verstärken. Der Report listet hier die sogenannten „Big Six“ der Überschuldungsauslöser auf. Mit 17,8 Prozent kommt Krankheit an erster Stelle. Die Tendenz ist hier steigend, 2016 lag der Anteil noch bei 15 Prozent.
Der Anstieg spiegele auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider: Die Krankheitsquote in Deutschland lag lange Zeit stabil bei etwa 3,5 bis 4,5 Prozent. Seit dem Jahr 2022 ist sie jedoch massiv in die Höhe gesprungen. Mittlerweile liegt der durchschnittliche Krankenstand bei knapp sechs Prozent. Eine Auswertung des BKK‑Dachverbandes führt dies unter anderem auf die Zunahme psychischer Leiden zurück, die seit 2016 um über 50 Prozent gestiegen sind.
Auf Platz zwei folgt Arbeitslosigkeit oder reduzierte Erwerbsarbeit mit 14,9 Prozent. Die weiteren vier Auslöser sind eine gescheiterte Selbstständigkeit (9,9 Prozent), Konsumverhalten (9,5 Prozent), Einkommensarmut (9,1 Prozent) und Scheidung beziehungsweise Trennung (8,8 Prozent). Unter Alleinerziehenden machen Trennung und Scheidung sogar 20 Prozent der Fälle aus.
Mehr bezahlbarer Wohnraum und Beratung
Die Studienautoren betonen: Für viele Haushalte steigen die Lebenshaltungs- und Wohnkosten sowie damit auch psychosoziale Belastungen weiter an. Dadurch wachse insbesondere für schon jetzt vulnerable Gruppen wie alleinerziehende Mütter das Risiko finanzieller Überforderung und sozialer Ausgrenzung.
Einen wichtigen Hebel, um gegenzusteuern, sehen die Studienautoren etwa in wohnpolitischen Maßnahmen. Während die Gesamtbevölkerung im Jahr 2025 durchschnittlich 24 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgab, waren es bei jenen, die Schuldnerberatungen in Anspruch nahmen, im Mittel 38 Prozent. Deshalb brauche es gezielte Zuschüsse für einkommensschwache Haushalte und deutlich mehr bezahlbare Wohnungen.
Daneben brauche es ohnehin einen deutlichen Ausbau der Schuldnerberatung. Bislang erreichten die Angebote noch längst nicht alle Personengruppen gleichermaßen. Speziell für ältere und jüngere Menschen müsse der Zugang bedarfsgerecht verbessert werden.
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