Die CDU-Ministerpräsidenten stellen sich demonstrativ hinter Friedrich Merz, nur kommt der Name des Bundeskanzlers in ihrer Erklärung gar nicht vor.
Stattdessen beschwören sie „Geschlossenheit, Tatkraft und einen klaren Kurs“. Das klingt weniger nach Treueschwur als nach letzter Warnung.
FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer gibt der Erklärung deshalb eine Halbwertszeit von sieben Tagen:
„Diese Erklärung ist jetzt gut für eine Woche. Und dann kommen Landtagswahlen, dann hat sich die ganze Lage ja schon wieder geändert.“
Der Kanzlersturz ist nicht abgesagt. Er ist vertagt, so Fleischhauer im „Schwarzen Kanal“.
Ausgerechnet Markus Söder fehlt unter den Unterzeichnern.
Für Fleischhauer ist der CSU-Chef „natürlich der Hauptverdächtige, wenn es um das Thema Kanzlersturz geht“.
Söders Versicherung, die CSU säge nicht am Stuhl des Kanzlers, beruhige wenig. Für die CDU könne er schließlich nicht die Hand ins Feuer legen.
Das Problem reiche tiefer als eine missglückte Solidaritätsadresse.
„Alle haben das Vertrauen, den Glauben in diesen Kanzler verloren“, sagt Fleischhauer.
Als die JU-Politikerin Clara von Nathusius öffentlich erklärte, die Menschen glaubten nicht mehr an Merz und er dürfe keinesfalls erneut antreten, widersprach ihr niemand aus der CDU-Spitze. Fleischhauers Befund:
Wie konnte ein Kanzler so schnell Autorität verspielen?
„Es ist so eine Mischung aus Naivität und dann auch Unvermögen“, sagt Fleischhauer.
Merz fehle das taktische Gespür, Mehrheiten zu organisieren, Getreue zu mobilisieren und Konkurrenten rechtzeitig zu erkennen. Angela Merkel beherrschte dieses Geschäft.
„Dieses Grundhandwerk geht ja Merz total ab.“
Auch sein Habitus stehe ihm im Weg. Merz habe oft etwas „Herrenreiterhaftes“ im Auftreten. Er versuche nicht, die Herzen der Menschen zu gewinnen, sondern sei es aus der Wirtschaft gewohnt, Entscheidungen vorzugeben. Entsprechend erstaunt sei er, wenn er in der Politik auf Widerstand stoße.
„Es ist eben eine sehr spezielle Profession, die so ihre eigenen Gesetze hat“, sagt Fleischhauer.
Eine Partei oder Bundestagsfraktion lässt sich nicht führen wie eine Wirtschaftskanzlei, in der am Ende getan wird, was der Chef sagt.
Wer das zu spät begreift, bekommt zwar noch eine Erklärung der Ministerpräsidenten. Aber keinen echten Treueschwur.
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