In seiner Kindheit der frühen 1970er-Jahre sammelte Satoshi Tajiri in seinem Tokioter Vorort Käfer. Er untersuchte und katalogisierte sie. Auch für Technologie interessierte er sich. Beides legte den Grundstein für seine Erfindung, die die Welt erobern sollte: Pokémon. Im gleichnamigen Videospiel fängt ein Junge niedliche Monster. Sie werden katalogisiert und treten gegeneinander an.
Die Schätzungen, basierend auf Unternehmensveröffentlichungen, wie viel das Franchise über die Jahre eingespielt hat, reichen von 130 bis 280 Milliarden US‑Dollar. Das macht Pokémon nach eigenen Aussagen zur erfolgreichsten Medienmarke aller Zeiten.
1989 stellte Tajiri seine Idee beim Spieleentwickler Nintendo vor. Bis zur Veröffentlichung auf dem Game Boy dauerte es noch bis zum 27. Februar 1996. Die Pokémania begann sofort: Im September desselben Jahres hatte sich das Spiel bereits über eine Million Mal verkauft. Im Oktober 1996 veröffentlichte Nintendo ein Sammelkartenspiel, im April 1997 folgte eine Fernsehserie. Bis dahin war das Franchise nur in Japan veröffentlicht gewesen.
Als Tajiri und sein Team Pokémon erstmals im Westen vorstellten, begegnete ihnen Kritik: Das Design sei „zu süß“, das Spiel zu komplex, zu textlastig. Nintendos US-Ableger schlug eine Neugestaltung vor – das Design sollte stärker an Graffiti erinnern. Pikachu, die gelbe Maus mit roten Backen und blitzförmigem Schwanz, das bekannteste aller Monster, sollte zu einem Tiger mit großen Brüsten werden. „Ich konnte die kulturellen Unterschiede genießen, aber es hat mich ganz sicher nicht dazu gebracht, in einem solchen Markt antreten zu wollen“, erinnerte sich Tajiri später.
Die Entwickler behielten die ursprünglichen Designs bei und brachten Pokémon 1998 mit geringen Erwartungen in den USA auf den Markt. Deutschland folgte 1999. Das Spiel verkaufte sich millionenfach und wurde zum globalen Phänomen.
Bis Ende der 2000er-Jahre hielt der Poké-Rausch an. Dann wurde es einige Jahre ruhiger um das Franchise – bis die Macher im Jahr 2016 mit Pokémon Go einen weiteren Hit landeten.
Einen Sommer lang streiften Menschen mit dem Smartphone durch die Gegend, um virtuelle Monster in der realen Welt zu jagen. Das Spiel wurde mittlerweile über eine Milliarde Mal heruntergeladen und dürfte sechs bis acht Milliarden US-Dollar Umsatz generiert haben. Damit zählt es zu den erfolgreichsten Handyspielen aller Zeiten.
Spätestens seit 2020 leben auch die Sammelkarten wieder auf. Originalkarten aus den 1990er-Jahren wechseln teils für Millionen den Besitzer.
Im Februar 2026 erzielte die Sammelkarte Pikachu Illustrator, von der nur 39 Exemplare hergestellt wurden, einen Preis von 16,5 Millionen Dollar – die teuerste Sammelkarte aller Zeiten. Das hat sich Tajiri wohl nicht erträumt, als er als Kind Käfer sammelte.