Frankreich macht weiter Schulden und verunsichert damit die Finanzmärkte. Damit folgt es einer gefährlichen Entwicklung in den USA.
Frankreich könnte das neue Sorgenkind in der Finanzwelt werden, die Lage erinnert an die Schuldenprobleme der USA. Das Land unter Präsident Emmanuel Macron steuert auf einen Rekordwert in der Staatsverschuldung zu. Die Schuldenquote werde voraussichtlich 119,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, teilte das Finanzministerium am Samstag mit. Für 2027 werde ein Anstieg auf 121,7 Prozent erwartet. Regierungsdaten zufolge lag die Schuldenquote im Jahr 2025 bei 115,7 Prozent. Im Jahr 2019 hatte sie noch unter 100 Prozent betragen.
Um die ausufernde Neuverschuldung in den Griff zu bekommen, plant Premierminister Sébastien Lecornu für den Haushalt 2027 Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Die Durchsetzung dieses Sparkurses im tief gespaltenen Parlament gilt jedoch als schwierig, zumal die Wähler wegen der hohen Lebenshaltungskosten Druck ausüben.
Frankreich ist das Land mit der dritthöchsten Verschuldung in der Eurozone, nur hinter Griechenland und Italien. In Spanien sank die Verschuldung im Juli unter 100 Prozent des BIP, und Portugal hat seine Verschuldung im Jahr 2025 auf unter 90 Prozent des BIP gesenkt.
Frankreich wird damit auch zunehmend zum europäischen Spiegelbild der USA. Unter Donald Trump sind die Schulden auf einen Rekordwert von 40 Billionen Dollar gestiegen. Das hat für Wirbel auf den Finanzmärkten gesorgt. Die Renditen für Staatsanleihen sind gestiegen, ein Ausdruck von fehlendem Vertrauen in die zukünftige Wirtschafts- und Finanzkraft des Landes.
Die angespannte Finanzlage und die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen in Frankreich verunsichern nun auch hier Investoren. Wachsende Sorgen über die französischen Staatsfinanzen treiben die Risikoaufschläge an den Kapitalmärkten in die Höhe. Die Kosten für die Absicherung fünfjähriger französischer Schuldtitel gegen einen Zahlungsausfall steigen auf 41,5 Basispunkte.
Das ist der höchste Stand seit April vergangenen Jahres. Gleichzeitig kletterte der Renditeaufschlag, den Anleger für zehnjährige französische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren verlangen, erstmals seit der Euro-Schuldenkrise 2012 auf über 100 Basispunkte. Die Rendite der zehnjährigen französischen Anleihen legte um mehr als 14 Basispunkte auf ein 18-Jahres-Hoch von 4,583 Prozent zu. Damit steuern sie auf den größten Tagessprung seit Mitte Mai zu.
Bereits im vergangenen Jahr schaffte Frankreich einen eher unrühmlichen vergleich Die Kosten für die Schuldentilgung erreichten den gleichen Stand wie Italien, das lange als großer Schuldenmacher galt. Doch während die Meloni-Regierung einen strikten Sparkurs fährt, gibt Frankreich weiter Geld aus. Im August 2025 hatte der damalige Premierminister François Bayrou ein Sparpaket als "Moment der Wahrheit" angekündigt, dass 2026 umgesetzt werden sollte. Nun gibt es einen neuen Premier, der eine neue Ankündigung macht. Es wird sich zeigen, wie lange internationale Investoren noch Geduld haben.
Allgemein
Frankreich steuert auf Rekord bei Staatsschulden zu
Source
T-Online Nachrichten
· Thomas Wanhoff