Der saudische Ölkonzern Aramco baut mit Hochdruck eine Umleitung für seine wichtige Ost-West-Pipeline. Das zeigt eine aktuelle Satellitenaufnahme des US-Unternehmens Vantor. Die Pipeline ist seit der Blockade der Straße von Hormus der wichtigste Weg, um Rohöl von den saudischen Feldern am Persischen Golf in die Welt zu exportieren.
Nach Drohnenangriffen offenbar durch vom Iran unterstützte Milizen Ende vergangener Woche ist sie jedoch außer Betrieb. Bis zu sieben Prozent der weltweit geförderten Ölmenge werden durch diese Leitung transportiert.
Auf dem Bild von Sonntag ist die schwer beschädigte Pumpstation Nummer 11 zu erkennen – und wie Arbeiter ein paar Meter südlich davon oberirdisch eine neue provisorische Pipeline um die Anlage herum verlegen. Beides deutet darauf hin, dass die Pumpstation bei dem Angriff so stark beschädigt wurde, dass die Reparatur lange dauern wird. Experten hatten schon vor Monaten erklärt, dass in einem solchen Fall der Öltransport übergangsweise durch herangeschaffte Hilfspumpen wieder in Gang gesetzt werden könne.
Von drei der fünf Pumpenhäuschen sind der Aufnahme zufolge nur noch Trümmer übrig. Vermutlich sind sie den Flammen zum Opfer gefallen. Zudem dürfte das komplizierte System an Leitungen auf dem Gelände Schaden genommen haben.
Die Geschwindigkeit, mit der die Saudis jetzt ein Provisorium aufbauen, ist bemerkenswert. So sind auf dem Bild vom Sonntag mehr als 100 Bagger, Baufahrzeuge und Sattelschlepper zu erkennen. An mehreren Stellen liegen Rohrteile herum. Eine neuere Aufnahme vom Mittwoch, für das die WirtschaftsWoche bisher keine Publikationsrechte besitzt, zeigt zudem eine zweite Pipeline, die gerade um die Station verlegt wird. Die erste Leitung haben Arbeiter inzwischen oberirdisch mit Erde überschüttet.
Für Aramco ist es ein Wettlauf mit der Zeit, können die Öltanks in Yanbu am Roten Meer doch nur wenige Tage einen Ausfall der Pipeline abpuffern. Dann käme der Ölexport aus Saudi-Arabien weitgehend zum Erliegen.
Ohne Hilfspumpen, von denen auf dem Bild noch nichts zu sehen ist, wird die Pipeline zudem wohl nicht auskommen. So ist Station 11 die letzte an einem Gebirgspass, der auf mehr als 1000 Metern liegt. Der Druck von den vorangegangenen Pumpstationen, die etwa alle 100 Kilometer aufgebaut sind, wird vermutlich nicht ausreichen.
Auch Pumpstation 9 beschädigt
Das gilt umso mehr, da Pumpstation 11 neuesten Erkenntnissen zufolge nicht die einzige ist, die beschädigt wurde. Auch Pumpstation 9 hat einen Treffer abbekommen. Das geht eindeutig aus einer niedrig aufgelösten Aufnahme eines europäischen Sentinel-2-Satelliten hervor.
Ein inzwischen der WirtschaftsWoche vorliegendes hochaufgelöstes Bild des US-Anbieters Vantor zeigt, dass der Schaden hier weniger umfassend ist als 200 Kilometer westlich. Von den Pumpenhäuschen erscheinen hier alle fünf auf den ersten Blick halbwegs intakt. Allerdings sind zwei davon extrem verrußt, sodass der genaue Schaden schwer abzuschätzen ist. Beide gehören zu den Pumpen der Hauptleitung. Beschädigt sind dem Bild von Montag zufolge offenbar die Leitungen direkt davor.
Auch hier sind jede Menge Lastwagen und Hebebühnen zu erkennen, was auf eilige Reparaturarbeiten hindeutet. Zudem ist auch hier an Station 9 der Bau einer Umgehungsleitung zu erkennen, allerdings sauber im Boden vergraben.
Das deutet darauf hin, das Aramco solche Bypasse an einigen Stationen bereits zuvor vorgesehen hatte, um für einen Angriff gerüstet zu sein. Bei Station 11 waren die Arbeiten anders als hier an Station 9 offenbar noch nicht gestartet.
Die Ost-West-Pipeline besteht aus zwei Strängen, einem größeren, der täglich etwa fünf Millionen Barrel Rohöl transportieren kann, und einer kleineren Leitung, die vor dem Krieg Gaskondensat befördert hat und für Rohöl umfunktioniert wurde. Sie schafft etwa zwei Millionen Barrel am Tag.
Der Angriff auf Station 9 erfolgte ebenfalls am Donnerstag, darauf lässt eine Aufnahme eines europäischen Wettersatelliten schließen. Auf dem Bild ist eine Rauchfahne zu erkennen, die allerdings deutlich kleiner ist als bei Station 11.
Auf einem niedrig aufgelösten Sentinel-Bild von Montag ist zudem an Station 8 ein dunklerer Fleck vor den Pumpenhäuschen zu sehen, dort, wo viele Rohrleitungen verlaufen. Nach dieser Aufnahme scheint er, sollte er von einem Angriff stammen, aber nur ein kleinerer Schaden zu sein.
US-Energieminister Chris Wright sagte am Dienstag dem US-Sender CNBC in einem Interview, „das wird eine kurze und zeitlich begrenzte Unterbrechung sein“. Sie werde lediglich Tage dauern.
Die Frage, die sich dennoch ergibt, ist: War es das jetzt mit den Angriffen, sodass die Leitung schnell repariert werden kann? Oder folgen weitere Angriffe? Am Montag war der Ölpreis, der schon in den vergangenen Wochen wieder über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen war, weiter nach oben geklettert – auf nahezu 109 Dollar je Barrel Brent.
Nach dem Beschuss hatten die Ölstaaten am Golf ein Treffen mit Vertretern aus Teheran verschoben, in dem es um die Einrichtung eines vorübergehenden Korridors in der Straße von Hormus gehen sollte, um den Verkehr vorerst zu normalisieren.Hier finden Sie alle Beiträge aus der Rubrik „Wirtschaft von oben“Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.
Allgemein
Ölpreis: Hier versucht Saudi-Arabien gerade im Eiltempo, den Spritpreis zu retten
Source
WirtschaftsWoche
· Thomas Stölzel