In der fünften Staffel von „Babylon Berlin“ geht es um die Machtergreifung Hitlers. Um die Frage, wie Deutschland in jenem Februar 1933 von der Republik in die Diktatur stürzen konnte. Es geht um Babylon, um den politischen Sündenfall, aber es geht auch um Berlin. Um die Zerrissenheit einer Stadt, in der viele Menschen einerseits ihre Nächte in Varietés, Tanzlokalen, Kinos oder Restaurants verbrachten, in der gefeiert und lustvoll geliebt wurde. Aber in der andererseits auch große Armut grassierte, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit wie ein Fallbeil über den Existenzen schwebten. In einer Nebenrolle tritt die SPD-Politikerin Rosa Helfers auf, die 1907 noch unter männlichem Namen in die Partei eintrat, da Frauen damals die Mitgliedschaft verboten war. 1933 ist die sozialreformerisch gesinnte Sozialdemokratin Mitglied des Preußischen Landtags und Direktorin eines Berliner Frauengefängnisses. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird sie entlassen und erwägt in ihrer Verzweiflung nun ein politisches Bündnis mit den Linksradikalen. Der Versuch einer Verständigung mit der KPD scheitert im Film am Ego männlicher Parteivorsitzenden – und doch bleibt die Suggestion eines rettenden Auswegs in der Luft. Das ist kein Abend für Jubel 93 Jahre später verhandelt in Berlin nun wieder links mit links außen, um Schlimmeres zu verhindern. Vielleicht nicht gleich die Diktatur, aber wider den Faschismus geht es jetzt ja irgendwie immer auch. Und gegen das Eigentum. Die Wohnungsbaugesellschaften. „Enteignen jetzt“ stand auf Schals, die bei der Wahlparty der Linken triumphierend geschwenkt wurden, während die hippe Spitzenkandidatin vorne feigenblattfroh von „der Liebe“ sprach, die gesiegt hätte. Gleichzeitig rief Steffen Krach, der glücklose SPD-Kandidat, unwirsch in den unpassend euphorischen Applaus seiner Anhänger hinein: „Das ist kein Abend für Jubel.“ Und sprach dann von einer „Zäsur“. Einer Zäsur für die Berliner SPD, die diese Stadt so lange so stolz regiert habe. Von Ernst Reuter über Willy Brandt bis zu Franziska Giffey war die SPD in der Tat Jahrzehnte lang die „Berlin Partei“, wie Krach mit traurigen Augen in Erinnerung rief – das sei nun endgültig vorbei. Erstaunlich euphorischer Applaus Seltsamerweise begann jemand nach diesem Satz zu klatschen, und auch als Krach wenig später dem Gewinner der Wahl, der Linkspartei, gratulierte, gab es erstaunlich euphorischen Applaus. Sind die Sozialdemokraten wieder einmal aufs Verraten aus? Bücken sie sich demütig, um einer Partei den Steigbügel zu halten, in der Israelhass und Russlandsympathie so dominant sind, dass selbst prominente Spitzenpolitiker wie Klaus Lederer sie erschrocken verlassen haben? Eine Partei, die jetzt zumindest Gefahr läuft, den Islamismus politisch salonfähig zu machen? Für die bückt sich nun also die alte, stolze Berliner SPD? Die traurigen Augen von Steffen Krach und der verzweifelte Annäherungsversuch der SPD-Politikerin aus „Babylon Berlin“ haben eines gemeinsam: Sie drücken aus, dass da jemand nicht mehr weiß, was er tun soll. Sie suchen nach Halt, um nicht völlig zu stürzen. Und klammern sich deshalb an den Feind ihres Feindes in der Hoffnung, dass er ihr Freund wird. Aber seit wann befreunden sich Triumphatoren mit ihren Steigbügelhaltern?