Pierfrancesco Vago, Verwaltungsratspräsident des Schweizer Reedereiriesen MSC, fand warme Worte. „Als Familienunternehmen sind langfristige Beziehungen für uns von entscheidender Bedeutung“, sagte Vago nach dem Besuch der Papenburger Meyer Werft Anfang Februar. Kurz zuvor hatten MSC und Meyer eine Absichtserklärung für den Bau mehrerer Kreuzfahrtschiffe im Wert von bis zu zehn Milliarden Euro unterzeichnet. Der Auftrag soll die Werft bis 2035 auslasten.
„Wir glauben, dass erfolgreiche Partnerschaften auf Vertrauen, Kontinuität und vor allem auf persönlichen Beziehungen beruhen“, erklärte Vago. Offenbar ist das Vertrauen seither gewachsen: Nach Informationen der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ verhandelt MSC über den Kauf einer rund 80-prozentigen Beteiligung an der Meyer Werft, die derzeit von der Bundesregierung und dem Land Niedersachsen gehalten wird.
Die Gespräche könnten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, sagten demnach mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Bloomberg.
Wie würden Carnival und Disney reagieren?
Kommt es zum Deal, würde die Kontrolle über die mehr als 230 Jahre alte Werft wieder in private Hände übergehen, nachdem die Bundesregierung und das Land Niedersachsen 2024 die Mehrheitsanteile in einer Rettungsaktion übernommen hatten. Zudem gaben Bund und Land eine Kreditbürgschaft über jeweils eine Milliarde Euro und deckten damit 80 Prozent des damaligen Kreditvolumens der Werft. Die Familie Meyer, die seither nicht mehr in der Geschäftsführung vertreten ist, hält noch 20 Prozent der 1795 gegründeten Werft. Rund 5000 Menschen arbeiten für die Meyer Werft und für Neptun, davon etwa 3300 in Papenburg.
Noch scheint allerdings völlig offen, ob der Vorstoß von MSC Erfolg haben wird. Die Sanierungsphase bei der Meyer Werft läuft bis 2028. Der Bund hat bereits deutlich gemacht, dass er seine Anteile an dem Schiffbauunternehmen wieder verkaufen will. Die Landesregierung von Niedersachsen hingegen schien den Anteil des Landes bislang halten zu wollen. In den Verträgen zum Staatseinstieg hatte sich die Meyer-Familie zudem ein Vorkaufsrecht gesichert. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte, dass die Meyers planten, erneut die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen. Inwiefern sie nun gemeinsam mit MSC agieren, ist unklar. Im Zweifel könnte die Familie einen Deal aber gemeinsam mit einem anderen Investor blockieren.
Offen ist auch, wie die Beteiligung eines Kreuzfahrtveranstalters an einer Werft im Markt aufgenommen werden würde. Zu den langjährigen Kunden der Meyer Werft zählen schließlich auch MSC-Wettbewerber wie Carnival, Disney und Royal Caribbean Cruises. Ob diese weiterhin bei einer Werft ordern würden, die einem Konkurrenten gehört?
Fest steht indes, dass weder der Bund noch das Land ihre Investitionen in Höhe von insgesamt 400 Millionen Euro mit Verlust verkaufen wollen. Eher dürfte MSC gezwungen sein, einen Aufschlag zu zahlen. Schließlich hat der externe Sanierungsexperte Ralf Schmitz das Unternehmen als Chief Restructuring Officer seit 2024 wieder auf Kurs gebracht. Die Werft ist über Jahre hinweg ausgelastet, gegenüber den Kunden wurden bessere Preise und Konditionen durchgesetzt. Auch die Kosten sind gesunken. Die finanzielle Basis der Werft ist also wieder stabil – das dürfte nicht nur MSC registriert haben.
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