China baut ein Atomkraftwerk in sechs Jahren, die USA brauchen über zehn. Vor dem Xi-Trump-Gipfel wird klar, wer beim Energie-Wettlauf für KI vorn liegt.

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China baut im Akkord: Ein Kran hievt das Kuppelmodul für den neuen Reaktor Haiyang 3 in die Höhe (Symbolbild).

Das Wettrennen zwischen den Technologie-Supermächten China und den USA hängt nicht nur am Fortschritt der Künstlichen Intelligenz, sondern auch am massiven Ausbau von Rechenzentren, die rund um die Uhr gigantische Mengen Strom benötigen. In Zeiten globaler Energieengpässe rückt deshalb der schnelle Ausbau von Atomkraftwerken erneut in den Fokus, um die Versorgung sicherzustellen. Aktuell hat China dabei die Nase vorn, wie das Branchenportal Oilprice berichtet.

In den letzten zehn Jahren hat China 34 Gigawatt an neuer Atomkraft ans Netz gebracht. Die USA schafften im selben Zeitraum laut Oilprice gerade einmal ein einziges neues Kraftwerk – das teure und jahrelang verzögerte Projekt Plant Vogtle in Georgia.

Der Energieanalyst Damien Ma geht davon aus, dass China bis 2035 die weltweit führende Nuklearmacht sein wird. Ein Reaktor entsteht dort im Schnitt in rund sechs Jahren, während die USA mehr als ein Jahrzehnt brauchen. Nach Daten der Qatar Tribune baut China derzeit fast die Hälfte aller weltweiten Reaktoren und dürfte die USA bei den Gesamtkapazitäten schon in fünf Jahren einholen.

Der Haupttreiber hinter Chinas Tempo ist der Hunger der KI-Industrie nach verlässlichem Strom. Dazu kommen die Störungen auf den Weltmärkten durch die anhaltende Krise in der Straße von Hormus.

Strom aus Kernkraft wird deshalb zur strategischen Waffe im Kampf um KI-Dominanz. Peking will bis 2030 eine Leistung von 110 Gigawatt erreichen. Doch auch US-Tech-Riesen planen bereits eigene Reaktoren, um ihre Datenzentren abzusichern.

Technisch zieht China der westlichen Konkurrenz davon. So baut das Land beispielsweise im Ostchinesischen Kraftwerk Xuwei an Hochtemperaturreaktoren der vierten Generation, die neben Strom auch industrielle Prozesswärme liefern. Das ist vor allem für energieintensive Industriezweige relevant, wie sie auch in Europa händeringend nach sauberen Alternativen suchen.

Bislang gilt Chinas Nuklearsektor als vergleichsweise abgeschottet. Diese Woche vollzog Peking dennoch einen ungewöhnlichen Schritt: Die CNNC-Tochter Chinergy unterzeichnete am Rand der Generalkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ein Kooperationsabkommen mit der Behörde. Es umfasst Forschung und Entwicklung, Reaktordesign, Bau, Inbetriebnahme und Betrieb von HTGR-Anlagen sowie den Austausch zu Lieferketten und Personalschulung.

Für Europa, das beim Reaktorbau der nächsten Generation weit hinterherhinkt, ist das ein klares Signal: Die Standards der Zukunft werden zunehmend in Peking definiert.

Der Wettlauf um Atomkraft fällt in eine Phase, in der sich beide Länder ohnehin über Künstliche Intelligenz austauschen. US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng verhandelten am Wochenende in New York auch über einen Mechanismus zum Austausch wichtiger KI-Informationen, wie Bessent mitteilte. Die Gespräche gelten als Vorbereitung auf das Treffen von Xi Jinping und Donald Trump am Donnerstag in Washington, Xis erster Besuch dort seit zehn Jahren.

Xi und Trump in Peking im Mai. Am Donnerstag sehen sich beide in Washington wieder, diesmal mit Fokus auf Energie und KI (Archivbild).

Es baut auf dem im Oktober 2025 in Busan vereinbarten Zollwaffenstillstand auf, der gut fünf Wochen nach dem Gipfel ausläuft. China dränge laut CSIS-Experte Scott Kennedy auf eine Verlängerung bis zum Ende von Trumps Amtszeit, Washington wolle die Frist nur um wenige Monate ausdehnen. Bei der Energieversorgung für KI-Infrastruktur liegt China nach den vorliegenden Zahlen derzeit vorn.

Dass Technologie und KI beim Gipfel eine zentrale Rolle spielen, zeigt auch die Gästeliste in Washington. Medienberichten zufolge werden mehrere prominente Tech-Chefs erwartet, darunter OpenAI-Chef Sam Altman und Nvidia-Chef Jensen Huang. Die eigentlichen Streitpunkte zwischen beiden Ländern blieben aus Sicht von Experten dennoch weitgehend ungelöst, etwa bei Exportkontrollen, Cyberoperationen und digitaler Souveränität. Neben Handel und KI dürften auch Taiwan sowie Chinas Rolle im Iran-Krieg zur Sprache kommen. Den Krieg in der Ukraine stufen Beobachter auf beiden Gipfel-Agenden dagegen als nachrangig ein.

Auch die Vereinigten Staaten verfolgen ambitionierte Ziele: So sollen mehrere Erlasse zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, eine geplante Vervierfachung der Atomkapazität auf 400 Gigawatt bis 2050 auf den Weg gebracht werden. Laut Energie-Analyst Ma bleibe ein nachhaltiger Ausbau trotzdem schwer erkennbar, Kapitalintensität und regulatorische Hürden seien hoch, die Kosten zuletzt deutlich gestiegen. China dagegen erziele durch standardisierte Bauverfahren Effizienzgewinne.

Der Wettlauf um Atomkraft verschränkt sich also zunehmend mit dem um KI-Dominanz. Wer die zuverlässigere Energieversorgung für seine Rechenzentren sichert, verschafft sich einen Vorteil im Rennen um KI-Rechenleistung. Ob Chinas Öffnung gegenüber der IAEA ein Einzelfall bleibt oder der Beginn breiterer Kooperation ist, ist aktuell noch nicht abzusehen. Am Donnerstag dürfte sich zumindest andeuten, ob beide Länder auch bei Energie und KI zueinanderfinden oder die Konkurrenz sich eher verschärft.

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