Schweißperlen glänzen auf seinem kahlen Schädel, das T-Shirt ist längst durchgeschwitzt. Thorsten Legat steht an der Seitenlinie, gestikuliert wild und ruft Anweisungen aufs Spielfeld. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. 37 Grad Celsius, definitiv nicht das ideale Wetter für Leistungssport. Doch wer große Ziele hat, darf sich davon nicht aufhalten lassen. Wie die Jungs vom FC Germania Mallorca. „From Zero to La Liga“ heißt das ambitionierte Projekt, das der 57 Jahre alte Legat und drei Mitstreiter ins Leben gerufen haben. Sie gründeten vor etwa drei Monaten den ersten deutschen Fußballverein auf der beliebten Baleareninsel. Allerdings nicht für einen lockeren Urlaubskick. Ganz im Gegenteil. Präsident Amir Aziz (Immobilien-Händler aus Dubai mit Wohnsitz auf Mallorca), „Vize“ Nick Pinior (Unternehmer und Teammanager), Reality-Star Aleks Petrovic (zuständig für Social Media, Marketing und allgemeines Management) sowie Chefcoach Legat wollen hoch hinaus. Und verfolgen einen ehrgeizigen Traum: Durchmarsch von der untersten, achten Spielklasse bis rauf in Spaniens (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/spanien/) Elite-Liga. Ein Großteil der Spieler des FC Germania wurde aus Deutschland geholt Legat jedenfalls brennt für diese Idee. „Der FC Germania ist unser Baby, das wir zu einem starken Kämpfer heranziehen wollen“, schwärmt er und fährt fort: „Ich weiß, dass es auf den ersten Blick wie eine Spinnerei wirkt. Aber glaubt mir, unsere Strategie geht auf. Davon sind wir zu 1000 Prozent überzeugt.“ Einen Großteil ihrer Spieler haben sie aus Deutschland „importiert“, wo die meisten von ihnen bereits auf gutem oder gar höherem Niveau – wie Regional- oder Oberliga – gespielt haben. Kapitän der Truppe, die aktuell rund 20 Mann umfasst, ist Bastian Müller. Der 35-jährige Mittelfeld-Routinier (7 Dritt- und 232 Regionalliga-Einsätze) stieg noch vor zwei Jahren mit Alemannia Aachen in die 3. Liga auf, und verlegte danach seinen Wohnsitz samt Familie nach Mallorca. „Zum einen wegen des Wetters“, erklärt Müller, „zum anderen aber auch wegen der allgemeinen Sicherheit in Deutschland, die ich nicht mehr als gegeben ansehe. Ich möchte einfach, dass sich meine Tochter unbeschwert auf der Straße bewegen kann.“ Für den FC Germania und Legat ist „Basti“ Gold wert. „Mein verlängerter Arm und Vertrauter, der seine Mitspieler im Griff hat und auch dann für sie da ist, wenn sie mal Heimweh oder andere Probleme haben“, sagt Legat. 2000 Bewerbungen sind eingegangen Germania (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/bfc-germania-berlin/) Mallorca wird wie ein Profiklub aufgezogen. Wer dabei sein will und darf, verschreibt sich ganz dem Fußball. Noch gibt es freies Wohnen – die meisten von ihnen sind in einer riesigen Gemeinschafts-Villa (200 Quadratmeter) mit Pool und anderen Annehmlichkeiten untergebracht – sowie eine geringe Aufwandsentschädigung. Rund 2000 Bewerbungen, überwiegend aus Deutschland, sind bereits eingegangen. Die Vielversprechendsten von ihnen erhalten eine Casting-Einladung. Trainiert wird immer morgens von 8:30 Uhr bis 11 Uhr, sodass die Spieler – bei Bedarf – am Nachmittag noch einem Zweitjob nachgehen können. Auch bei der Beschaffung dieser Arbeitsplätze ist die Klubspitze behilflich. Später, wenn sich der erhoffte Erfolg eingestellt hat, sollen die Bedingungen bei Germania noch professioneller werden. Der Gesamtetat für diese erste Saison in Spaniens unterster Liga beträgt schon jetzt laut Legat rund 400.000 Euro. Geld, das fast ausschließlich von ortsansässigen Sponsoren stammt. Einer der wichtigsten ist Großgastronom Carlos Lucio, der unter anderem Direktor des weltberühmten Megaparks war und Besitzer vom Sommerland ist. Eine Großraum-Diskothek samt Biergarten in der Schinkenstraße am Ballermann. Dort werden auch alle Germania-Spiele auf einer riesigen Leinwand übertragen. Sogar schon jetzt in der Vorbereitung. Das fußballverrückte Feiervolk strömt dafür in Scharen in seinen Laden. Natürlich ist geplant, dass künftig viele von ihnen auch die Auftritte von Legat und Co. live vor Ort, auf der angemieteten Anlage „Camp de Futbal La Nova Cabana“, rund 20 Autominuten von Palma entfernt, verfolgen. Vizepräsident Pinior sagt: „Wir werden Shuttles organisieren, die die Fans in El Arenal und Palma einsammeln und zu uns bringen.“ Der Anspruch: ungeschlagen durch die Saison Ligastart ist am 20. September gegen Campnet. Bereits in der Vorbereitung gab es fast ausschließlich Siege. Legat ist deshalb sicher: „Wir marschieren ungeschlagen durch die Saison. Das ist und muss unser Anspruch sein.“ Wer jetzt denkt, dass die Anzahl der Partien auf Mallorca ohnehin begrenzt sein wird, irrt gewaltig. Das 17. Bundesland hat zwar nur eine Million Einwohner, dafür aber unglaubliche 195 eingetragene Fußballvereine. Damit ist selbst die unterste 8. Liga in fünf Gruppen eingeteilt. Mit jeweils 16 Teams, von denen sich die ersten acht zur Saisonhälfte für die Aufstiegsrunde qualifizieren. Die beiden Besten hiervon treffen wiederum in einer weiteren Runde auf die jeweiligen Topteams der übrigen Gruppen, um letztlich die wahren Aufsteiger zu küren. „Das wollen und werden wir sein!“, sagt Legat im Brustton der Überzeugung. Legat geht beim Projekt „From Zero to La Liga“ voran. Der Trainer ist hier der Star, die Mannschaft soll es aber mal werden. Daran arbeiten alle hart und akribisch. Das soll sich künftig ändern. Legat kündigt eine drastische Kürzung seiner Zeiten im Reality-TV an. „Ich habe mich mit Haut und Haaren unserem neuen Projekt auf Mallorca verschrieben. Da kann ich nicht wochenlang für Dreharbeiten in Thailand oder wo auch immer ausfallen“, sagt er. Legat auf Mallorca, seine Frau in Deutschland Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Alexandra, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist und die weiter in Deutschland ihren Aufgaben als technische Zeichnerin nachgeht. Während er den größten Teil des Jahres auf Mallorca verbringt, wo er eine kleine Villa besitzt. „Das alles geht nur, weil unsere Kinder schon groß sind und meine Alexandra so viel Verständnis hat“, sagt er. Die gestiegene Aufmerksamkeit verdankt der junge Fußballklub in allererster Linie der Popularität Thorsten Legats. Wie beim 2:1-Testsieg gegen Platges de Calvia, dem Heimatclub des spanischen Nationalspielers Marco Asensio ( Fenerbahce Istanbul (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/fenerbahce-istanbul/) ). Zahlreiche Urlauber waren am Sportplatz von Magaluf erschienen, um Legat – samt Truppe – zuzuschauen. Vor allem aber, um ein Autogramm von oder ein Selfie mit ihm zu erhaschen. Er selbst ist davon fast schon peinlich berührt: „Ich will, dass die Mannschaft mehr in den Vordergrund rückt. Sie ist sooo viel wichtiger als ich und muss ab sofort liefern.“ Und zwar Woche für Woche. „Wir sind immer die Gejagten, werden aufgrund unserer Möglichkeiten von vielen Gegnern regelrecht gehasst. Also werden wir sie bestrafen, indem wir ihnen die drei Punkte klauen. Basta!“, sagt Legat kämpferisch. Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter ( WELT, (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/) „Bild“ (verlinkt auf https://www.bild.de/sport/startseite/sport/sport-home-15479124.bild.html) , „Sport Bild“ (verlinkt auf https://sportbild.bild.de/) ) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.