Der Dieselpreis an den deutschen Tankstellen hat sein Rekordhoch noch einmal übertroffen: Am Donnerstag kostete ein Liter nach Auswertung des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro, knapp zwei Cent mehr als am Vortag.
Benzin verbilligte sich nach mehreren Preisrekorden in Folge am Donnerstag dagegen minimal um 0,006 Cent auf 2,308 Cent.
Die Spritpreise sind seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar außergewöhnlich hoch. Seit Ende August haben sie zudem erneut deutlich zugelegt. Insgesamt ist Diesel derzeit knapp 71 Cent teurer als am letzten Tag vor Kriegsausbruch, bei E10 sind es knapp 54 Cent. Inflationsbereinigt waren die Kraftstoffe in der Vergangenheit allerdings bereits teurer.
Für Autofahrer bedeutet die aktuelle Entwicklung Mehrkosten: Geht man von einem typischen Benziner mit einer Fahrleistung von etwa 800 Kilometern pro Monat und einem Durchschnittsverbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer aus, sind es mit den derzeitigen Preisen rechnerisch 34 Euro pro Monat mehr als vor Kriegsbeginn. Bei einem typischen Dieselfahrer mit 1400 Kilometern und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer sind es 69 Euro.
Angesichts der wieder stärker gestiegenen Preise ist in der Politik eine neue Debatte um weitere Entlastungen entbrannt. Grundsätzlich gibt es sowohl aus der Union als auch der SPD Vorschläge und Bekenntnisse dazu. Strittig ist allerdings, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt.
Starke Preisschwankungen je nach Tankstelle
Der Preis für Rohöl ist typischerweise der wichtigste Faktor für Änderungen beim Spritpreis. Hinzu kommen aber auch andere Faktoren wie Transport- und Raffineriekapazitäten. Zudem ist der Preis für Diesel typischerweise krisenanfälliger – weswegen der Kraftstoff derzeit auch mehr kostet als Benzin, obwohl er niedriger besteuert wird.
Regional und je nach Art der Tankstelle können die Preise deutlich abweichen. Zudem schwankt der Preis im Tagesverlauf stark – nach dem Preissprung am Mittag sind die Kraftstoffe meist mehr als 20 Cent teurer als unmittelbar davor. Am Nachmittag fallen sie dann in der Regel rasch wieder, bis sie am späten Vormittag des nächsten Tages üblicherweise ihr Tagestief erreichen.
Nimmt man alles zusammen, ergeben sich große Spannen: Während auch am Mittwoch Superbenzin der günstigen Sorte E10 am späten Vormittag an besonders günstigen Tankstellen durchaus für kaum mehr als 2,10 Euro zu haben war, wurden kurz nach dem Preissprung um 12.00 Uhr an Autobahntankstellen für teures Premiumbenzin teilweise mehr als 3 Euro pro Liter verlangt.
Spediteure schlagen in Brief an Merz Alarm
Angesichts der hohen Preise fordern Spediteure in einem offenen Brief an Kanzler Merz staatliche Entlastung. Im mittelständisch geprägten Transportgewerbe habe sich die Lage mit dem Anstieg der Spritkosten dramatisch zugespitzt, heißt es in dem Schreiben des Spediteursverband BGL.
Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 km ergäben sich bei den derzeitigen Dieselpreisen Mehrkosten von 1800 Euro pro Lkw. Das bedeute für eine Fahrzeugflotte von 50 Lkw zusätzliche Kosten von über einer Million Euro im Jahr. „Diese Kostensteigerungen können von den Betrieben kaum noch allein getragen werden“, schreibt BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt. Sie ließen sich oft nicht oder nur teils an Auftraggeber weitergeben. „Die hohen Dieselpreise gefährden daher zahlreiche mittelständische Betriebe und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.“
Der Verband wendet sich gegen den Vorschlag von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vom Mittwoch, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend von 19 auf 7 Prozent zu senken. Für Unternehmen, die die Mehrwertsteuer vom Finanzamt absetzen dürften, ergäbe sich so keine unmittelbare Entlastung.
Logistikbranche fordert Gewerbediesel
Stattdessen dringt der BGL darauf, die doppelte CO2-Belastung des deutschen Transportgewerbes durch den nationalen Emissionshandel und den CO2-Zuschlag auf die Lkw-Maut aufzuheben.
Zudem fordert er die Einführung eines Gewerbediesels nach Vorbild anderer EU-Mitgliedstaaten wie Frankreich, Spanien und Italien. Dort werde die Energiesteuer für gewerblich genutzten Diesel auf das EU-Mindestmaß reduziert.
Auch Bauern dringen auf Staatshilfe
Druck auf die Politik macht auch der Deutsche Bauernverband. „Wir brauchen jetzt dringend eine Senkung der Energiesteuer oder der CO2-Steuer beim Diesel“, sagte Präsident Joachim Rukwied. Der Vorschlag einer Mehrwertsteuersenkung auf Kraftstoffe entlaste die Wirtschaft aber nicht. Für Betriebe mit Regelbesteuerung sei die Mehrwertsteuer ein durchlaufender Posten.
Selbst auf die deutsche Fischerei wirken sich die Kraftstoffpreise aus – auch wenn es dabei nicht um klassischen Diesel, sondern vor allem um Marinegasöl geht. Derzeit blieben Kutter im Hafen, weil sich eine Fahrt nicht rentiere, sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbands. Vom Landwirtschaftsministerium angekündigte Hilfen seien „ein Tropfen auf den heißen Stein“.
Ökonomen haben Maßnahmen, die die Preise an der Zapfsäule allgemein senken, immer wieder kritisiert. Diese würden einerseits mit der Gießkanne auch diejenigen entlasten, die es nicht nötig hätten, und andererseits verhindern, dass die hohen Preise für einen sparsameren Verbrauch sorgen.
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