General Breuer mit Bundesverteidigungsminister Pistorius (SPD)
Deutschlands ranghöchster Soldat wird neuer Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. Generalinspekteur Carsten Breuer ist zum Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone gewählt worden. Die nationalen Militärvertreter des Bündnisses bestimmten âden 61-Jährigen bei einem Treffen in Kopenhagen für den Posten. Breuer folgt âauf den italienischen Admiral Giuseppe Cavo Dragone, der das Amt seit 2025 innehat.
Breuer setzte sich gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des Militärausschusses geworden wäre. Er soll im Juli 2027 die Nachfolge des derzeitigen Amtsinhabers antreten.
»Als Generalinspekteur hat General Breuer strategische Weitsicht bewiesen und an entscheidender Stelle mit dazu beigetragen, die Bundeswehr neu aufzustellen«, kommentierte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die Wahl. »Jetzt wird er seine ganze Kraft und Erfahrung bei der Nato einbringen, die vor groÃen, historischen Aufgaben steht.«
Breuer dankte »für das in mich gesetzte Vertrauen«. »Die Unterstützung der Generalstabschefs unserer Nato-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis liegen groÃe Aufgaben vor uns â für unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darüber hinaus«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Als Vorsitzender des Militärausschusses werde es ihm ab Mitte nächsten Jahres darum gehen, die Perspektiven aller Mitgliedstaaten zusammenzuführen und substanzielle militärische Ratschläge in das Bündnis einzubringen. »Mit groÃem Respekt vor der Aufgabe freue ich mich sehr auf dieses anspruchsvolle und wichtige Amt und darauf, gemeinsam mit unseren Verbündeten Verantwortung für Frieden und Freiheit in unserem Bündnis zu übernehmen«, sagte Breuer.
Der Vorsitzende des Militärausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten Militärs der Nato. Er ist der wichtigste militärische Berater des Generalsekretärs und zugleich das Bindeglied, über das die gemeinsamen Empfehlungen der Generalstabschefs aller Nato-Mitgliedstaaten den politischen Entscheidungsgremien vorgelegt werden. Zudem werden über ihn Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen Befehlshaber der Nato sowie an den Generaldirektor des Internationalen Militärstabs weitergeleitet.
Der bislang letzte Deutsche auf dem Posten war General Harald Kujat. Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr gewesen und amtierte von Juli 2002 bis Juni 2005 als Vorsitzender des Militärausschusses.
Die Wahl von General Breuer gilt im Bündnis auch als Zeichen der Wertschätzung dafür, dass die Bundesrepublik zuletzt erheblich zur Steigerung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten beitrug. Bei den Verteidigungsausgaben liegt Deutschland nach Nato-Zahlen derzeit mit rund 125 Milliarden Euro klar auf Platz eins in Europa, in der militärischen Kommandostruktur des Bündnisses besetzt es seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.
Das alles soll es den Vereinigten Staaten ermöglichen, frei werdende Mittel und Streitkräfte für einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik zu nutzen. Die USA sehen mittlerweile nicht mehr Russland, sondern China als Hauptherausforderung für ihre eigenen Sicherheitsinteressen.
Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur und damit militärisch verantwortlich für die Umorganisation und Stärkung der Bundeswehr, die nach der »Zeitenwende« angestoÃen wurde â ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut hatte. Bekanntheit erlangte er zuvor auch als Leiter des Coronakrisenstabs im Kanzleramt.
Verteidigungsminister Pistorius steht in den kommenden Monaten vor der Entscheidung, wen er als Breuers Nachfolger an die militärische Spitze der Bundeswehr setzt. In den vergangenen Monaten wurde vor allem General Christian Freuding, seit gut einem Jahr Inspekteur des Heeres, gehandelt. Freuding gilt als enger Pistorius-Vertrauter. Bevor er das Kommando beim Heer übernahm, hatte er im Ministerium den strategisch wichtigen Ukraine-Stab geleitet, der die militärische Unterstützung für Kyjiw koordiniert.
Seitdem hat Freuding beim Heer energisch einen Strukturwandel durchgesetzt.
Als Kandidat für den Topposten bei der Bundeswehr wird auch Ingo Gerhartz, der frühere Inspekteur der Luftwaffe, genannt. Gerhartz hatte die Modernisierung der Luftwaffe massiv beschleunigt, auch er ist ein Vertrauter des Ministers. Allerdings dient der Kampfjetpilot seit gut einem Jahr als Befehlshaber des Allied-Joint-Force-Kommandos der Nato in Brunssum auf einer der operativ wichtigsten Positionen der Allianz. Gerhartz von dem essenziellen Kommando abzuziehen, sagen Nato-Insider, wäre ein gewagter Schritt.
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Deutschlands ranghöchster Soldat: General Breuer wird Vorsitzender des Nato-Militärausschusses
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Der Spiegel
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