Im Streit um Grönland gibt es eine überraschende Einigung. Die USA und Dänemark haben ein Abkommen ausgehandelt.
Die USA, Dänemark und Grönland haben im Streit um die Arktisinsel einen Durchbruch verkündet. In der kommenden Woche werde voraussichtlich ein Abkommen mit den USA unterzeichnet, teilten die Regierungen von Dänemark und Grönland mit. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor auf der Plattform Truth Social von einem bereits besiegelten Deal zu Grönland geschrieben.
Demnach bekommen die USA "die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle sonstigen Belange in Grönland". Damit seien "alle amerikanischen Anliegen" gelöst, es entstünden den amerikanischen Steuerzahlern keine Kosten. Die USA wollen demnach schon bald ihre Militärpräsenz in Grönland ausbauen.
Ohne ausdrückliche Genehmigung dürften Feinde der USA fortan keine militärischen Stützpunkte mehr auf der Insel errichten, teilte Trump nun mit. Gleiches gelte für gewisse Investitionen. Trump hatte seine Besitzansprüche auch damit begründet, dass Gegner der USA die Insel unter ihre Kontrolle bringen wollten.
Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen nannte den Grönland-Deal in einer ersten Stellungnahme wichtig. "Ein Abkommen, das unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stärkt und somit auch für die Nato und Europa von großem Nutzen ist. Gleichzeitig erkennt es die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs sowie das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes an", schrieb sie auf X.
Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen fügte hinzu, das Abkommen "stärkt" die Sicherheit der autonomen dänischen Region. Die Einigung soll kommende Woche am Rande der UN-Generalversammlung unterzeichnet werden, schrieb Frederiksen auf X. Dänemark hatte bereits 1951 ein Abkommen mit den USA über militärischen Beistand auf Grönland geschlossen. Darin wurden den USA der Bau von Militärbasen erlaubt.
Donald Trump hatte in den vergangenen Jahren immer wieder angedeutet, Grönland unter die Kontrolle der USA stellen zu wollen. Dagegen gab es zunächst massiven Widerstand aus Dänemark, Grönland und der EU. Die Insel hat neben bedeutenden Rohstoffvorkommen wie Erdöl und Erdgas auch eine strategische Bedeutung für die militärische Kontrolle von Handelsrouten und Überwachungsoperationen in der Arktis.
Grönland gehört zwar zu Dänemark, genießt jedoch weitreichende Autonomie. Trump hatte auch angedeutet, dass die USA bereit seien, die Insel auf friedlichem Weg zu übernehmen. Er schlug ein Assoziierungsabkommen vor, wie es bereits mit pazifischen Inselstaaten existiert. Diese Forderungen führten zu einer diplomatischen Krise, bei der die EU und Nato-Mitglieder geschlossen die Souveränität Grönlands verteidigen und eine militärische Eskalation verhindern wollten.
Die Spannungen wurden außerdem durch Trumps Drohungen, Strafzölle gegen europäische Länder zu verhängen, weiter verschärft. Dänemark und die EU wiesen diese Forderungen zurück und betonten, dass die Zukunft Grönlands allein von den Bewohnern und der dänischen Regierung entschieden werden könne. Die Nato schaltete sich ebenfalls ein und kündigte eine stärkere militärische Präsenz in der Arktis an.
Die USA unterhalten derzeit eine noch eine Militärbasis auf Grönland: die Pituffik Space Base (ehemals Thule Air Base) im Nordwesten der Insel. Sie ist die nördlichste Militäreinrichtung des US-Verteidigungsministeriums und dient der Raketenfrühwarnung, Raketenabwehr und Weltraumüberwachung für die USA und die Nato. Stand 2025 sind dort etwa 150 US-Soldaten dauerhaft stationiert – im Kalten Krieg war es noch 6.000 Soldaten.
Laut BBC-Berichten verhandelten die USA mit Dänemark über drei neue Stützpunkte in Südgrönland, unter anderem am ehemaligen Standort Narsarsuaq und möglicherweise Kangerlussua. Dänemark unterhält auf Grönland das Joint Arctic Command (Arktisk Kommando) mit Sitz in Nuuk. Vor der jüngsten Aufstockung waren dort rund 150 militärische und zivile Mitarbeiter tätig. Seit 2025 hat Dänemark seine Präsenz deutlich verstärkt – mit Flugzeugen, Schiffen und Soldaten. Die Nato führte in 2026 ein großangelegtes Manöver auf der Insel durch. Daran waren auch 13 deutsche Soldaten als Aufklärer beteiligt.
Allgemein
Dänemark und USA einigen sich im Grönland-Streit
Source
T-Online Nachrichten
· Thomas Wanhoff