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Borussia Dortmund nach Sieg beim VfB Stuttgart nun Bundesliga-Tabellenführer
Zweckmäßig, zielstrebig und auf das Wesentliche konzentriert, hat Borussia Dortmund am Samstagabend die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga übernommen – nach einem 1:0-Arbeitssieg beim VfB Stuttgart dank Maximilian Beiers Tor des Tages (70. Minute). Mehr Glanz und Lametta hob sich der BVB für die nächste Gelegenheit, daheim am 9. Oktober gegen Werder Bremen, auf. In Stuttgart hatten die Westfalen das Glück, auf einen vergleichsweise uninspirierten Gegner zu treffen, der nur ganz selten daran erinnerte, eine Topmannschaft in spe zu sein. Die Mannschaft von Trainer Niko Kovac dagegen gewann ob einer phasenweise starken zweiten Hälfte verdientermaßen gegen die mit gerade mal drei Punkten auf Platz vierzehn derzeit schlecht wie lange nicht dastehenden Stuttgarter, die von der Tabellenspitze schon nach vier Spieltagen einigermaßen weit entfernt sind. Froh über den wertvollen Auswärtserfolg, hob der Dortmunder Sportvorstand Ole Book hervor, dass „unsere bessere Effizienz in der Boxverteidigung heute den Sieg gebracht hat“. Er freute sich besonders für den Torschützen Beier, der als einziger Spieler aus dem Dortmunder Profikader keine Einladung zu den weltweit bevorstehenden Länderspielen bekommen hatte. „Heute“, sagte Book, „haben alle gesehen, was für ein besonderer Spieler er ist.“ Books Stuttgarter Kollege und VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hatte ein „Duell auf Augenhöhe“ gesehen, das sich vor allem „zwischen den Strafräumen abgespielt“ habe. In Dortmund hatten sie nach fünf Siegen zum Saisonbeginn, drei in der Bundesliga, einen in der Champions League und einen im DFB-Pokal, gut reden. Die bis zum Samstag makellose Bilanz beruhte auf einem Mix aus verbesserter Qualität und verstärkter Widerstandskraft. Ein Verdienst auch der neuen Borussen wie Joey Veerman, Ethan Nwaneri oder Konstantinos Karetsas, die der traditionell zweitbesten Bundesliga-Mannschaft mit der Mischung aus Solidität und Kreativität zu mehr Stabilität auch in kritischen Momenten verhalfen. Dazu kam das geschickte Händchen von Cheftrainer Niko Kovac, dem es immer wieder gelang, die richtigen Joker ins Spiel zu bringen. Beim 3:2-Sieg in Hoffenheim nach 0:2-Rückstand wechselte er den Angreifer Fabio Silva ein, der ein Tor schoss und den Engländer Nwaneri, der ein Tor vorbereitete. Am vorigen Samstag krönte der eingewechselte Felix Nmecha seinen Auftritt mit zwei Treffern zum 3:0-Erfolg über den Aufsteiger SC Paderborn. In den sechs Pflichtspielen bisher kam der BVB auf 17 Tore, an denen Einwechselspieler mit vier Treffern und vier Torvorlagen beteiligt waren. Das spielerisch hoch eingeschätzte Ensemble des VfB hat dagegen den Auftakt zum Spieljahr 2026/27 suboptimal gestaltet. Die derbe 1:5-Niederlage in München beim Meister Bayern zum Auftakt nahmen die Schwaben als gottgegeben hin, die Enttäuschung beim 1:2 in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim nagte jedoch an der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß, der mit seinen Profis unter der Woche vor allem an der „defensiven Stabilität“ gearbeitet hat. Außerdem blieb das Hoffen auf Undav ein Dauerthema, nachdem der neue Kapitän zuletzt in einem torlosen Tief verharrte. Deshalb hat der neue Bundestrainer Jürgen Klopp den Angreifer für seinen extragroßen Länderspielkader zu den bevorstehenden Nations-League-Duellen auch nicht eingeplant. Wohl aber die Stuttgarter Kollegen Jeltsch, Vagnoman, Mittelstädt und Führich und die drei Dortmunder Schlotterbeck, Anton und Nmecha. An ein Spitzenspiel erinnerte die erste Hälfte in keiner Phase. Dortmund spielte zwar etwas besser als der VfB, hatte aber keine nennenswerte Torgelegenheit. Die Stuttgarter dagegen fanden zwar nie zu dem feinen Angriffsfußball, der sie in der vorigen Spielzeit auszeichnete, hatten aber immerhin zwei veritable Torgelegenheiten. Undav nutzte frei vor Torhüter Kobel nach einem Patzer des BVB-Innenverteidigers Gadou seine Gelegenheit nicht, sondern probierte aus spitzem Winkel nur ein Schüsschen, das der BVB-Keeper locker mit dem linken Fuß abwehrte (31.). Wuchtiger sah der Kopfball von El Khannouss drei Minuten später aus, der sein Ziel aber knapp verfehlte. Das war’s auch schon in einer eher verkrampften Begegnung, der bei allem Eifer die großen Ideen und Momente komplett fehlten. Ähnlich uninspiriert starteten beide Teams auch in die zweite Hälfte. Im Laufe der Zeit aber stagnierte nur noch der VfB, während der BVB nach einer Stunde zielstrebiger agierte und sich dafür belohnte, einen Gang höher geschaltet zu haben. Und so erlief der aufmerksame Maximilian Beier einen Musterpass des kurz zuvor eingewechselten Jobe Bellingham und schob den Ball ins Tor. Drei Minuten später vergab der eingewechselte Grieche Konstantinos Karetsas die große Chance zum 2:0 nach Nmechas Sturmlauf und Vorlage mit einem Schuss am Tor vorbei (73.). Die Stuttgarter fingen nun auch endlich an, mehr ins Risiko zu gehen. Sie scheiterten aber entweder an Torhüter Gregor Kobel oder an ihrer Abschlussschwäche. Schließlich hatte sich die Dienstreise von Borussia Dortmund nach Stuttgart gelohnt. Mit dem vierten Sieg im vierten Ligaspiel dieser Saison landete der BVB ganz oben in der Tabelle. Eine zumindest schöne Momentaufnahme für die nächsten, spielfreien Wochen.
Source
FAZ
· Roland Zorn, Stuttgart