Elena Bock, SPIEGEL:»Warum sehen deutsche Buchcover immer so scheiße aus? Leute, wir müssen lesen. Und zwar gute Bücher, ist klar. Und wenn die dann noch ein tolles Cover haben – Chef's Kiss.
Nur leider ist das bei deutschen Übersetzungen oft nicht der Fall. Also, finde ich zumindest. Ein aktuelles Beispiel: »Verlorene Schäfchen« von Madeline Cash.
Das UK-Cover, das Dua Lipa hier für ihren Buchclub in die Kamera hält? Auch iconic.
Und dann... die deutsche Übersetzung... Was ist da los? Das wollte ich von Cashs Lektorin Teresa Pütz vom Penguin Verlag wissen.
Sie sagt, dass es bei der Covergestaltung ähnlich ist wie bei Mode oder Filmen: Marktlogiken, Sehgewohnheiten und kulturelle Prägung spielen eine große Rolle.
Was in den USA als edgy gilt, kann in Deutschland eher irritieren. Und für Verlage ist es laut Pütz am wichtigsten, dass man als Leserinnen und Leser innerhalb von Sekunden checkt, für was das Buch steht.
Und dann hat die Lektorin mir noch meine eigene Bubble-Denke vor Augen geführt. Denn: In Deutschland kaufen viele Menschen ihre Bücher immer noch im stationären Handel.
Und dort geht eine minimalistische Ästhetik, die auf Social Media total beliebt ist, laut Pütz oft unter. Cover müssen sich aus der Distanz im Regal abheben – z.B. mit einem klar lesbaren Titel und prägnanten Farben. Das finden Leserinnen und Leser auf Insta dann vielleicht hässlich, es erreicht aber eher die breite Masse. Checke!
Zum Schluss hat mir die Lektorin noch erzählt, dass bei Cash auch Sprache ne wichtige Rolle gespielt hat: "Verlorene Schäfchen" klingt niedlicher als ›Lost Lambs‹ – und das sollte das deutsche Cover ausbalancieren. Außerdem wollte der Verlag bewusst eine Dopplung von Titel und Bild vermeiden – deswegen kein Babyschaf.
Durch das Haus und die Strahlen soll das Buch stattdessen wie ein warmherziger und humorvoller Familienroman wirken – sagt zumindest die Lektorin.«
Allgemein
BookTake: Das Äußere zählt nicht? Doch, jedenfalls bei Büchern
Source
Der Spiegel
· Elena Bock