Singapur zahlt seinen Bürgern Geld dafür, dass sie täglich mindestens 15 Minuten lesen. Über eine Regierungswebsite müssen sie ihre Leseeinheiten dokumentieren. Für 50 Lesesitzungen gibt es einen Singapur-Dollar (etwa 68 Cent). Die virtuellen Münzen können die Teilnehmer später in Form von Gutscheinen bei teilnehmenden Handelspartnern einlösen, wie die Zeitung „The Strait Times“ berichtet.

Die Initiative der Nationalbibliothek heißt „ReadSG-Challenge“ und die Dokumentation erfolgt über die staatliche Crowdsourcing-Plattform „CrowdTaskSG“, die mit der staatlichen Singpass-ID erreichbar ist. Mit dem spielerischen Belohnungssystem will die Regierung dem sogenannten Doomscrolling und der zunehmenden digitalen Reizüberflutung entgegenwirken.

Die Maßnahme soll Konzentration, kritisches Denken und Vorstellungskraft fördern. „Wir wissen, dass Gewohnheiten durch kleine, regelmäßige Handlungen entstehen. Deshalb fangen wir mit einem einfachen Ziel an – einfach jeden Tag 15 Minuten lang lesen. Im Bus, vor dem Schlafengehen oder in der Mittagspause“, so ein Experte gegenüber „The Strait Times“.

Finanzielle Anreize zur Verhaltensänderung sind in Singapur bereits aus Gesundheitsprogrammen bekannt, beispielsweise durch Belohnungen für mehr Bewegung. Gleichzeitig schneiden singapurische Jugendliche beim Lesen international sehr gut ab: 15-Jährige belegten jüngst bei der Pisa-Erhebung 2025 weltweit den ersten Platz.

Schüler in Deutschland dagegen schneiden in der neuen Bildungsstudie Pisa so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den hier getesteten 15-Jährigen „die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt“, heißt es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie. Die Ergebnisse liegen somit auch niedriger als bei der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000.

2025 fehlten demnach einem Viertel der rund 6700 in Deutschland getesteten Jugendlichen Basiskompetenzen in Naturwissenschaften. In Lesen und Mathematik galt das laut Pisa sogar für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler. Zugleich sank laut Studie der Anteil der Jugendlichen mit besonders hohen Kompetenzen. Dieser liegt in allen drei Gebieten nun bei weniger als zehn Prozent.

In 14 OECD-Staaten waren die Ergebnisse in der Studie klar besser als in Deutschland, darunter Estland, Kanada, die Schweiz und Österreich. Länder wie die Niederlande oder Frankreich lagen mit Deutschland etwa gleich auf.